Die neuen Ladenöffnungszeiten für Deutschland sind beschlossen. In zehn der 16 Bundesländer werden ab Dezember die Läden unter der Woche rund um die Uhr Umsatz machen können. Hinzu kommen höchstwahrscheinlich noch 10 verkaufsoffene Sonntage pro Jahr. Gut für die Konjunktur, hoffen Bundesregierung und Konsumlobby.
Das kommt überraschend schnell, aber den Entscheidern sitzen die Verlockungen des Weihnachtsgeschäftes im Nacken (Ein Fünftel des gesamten Jahresumsatzes).

Ungeachtet der Frage, ob sich Familien oder berufstätige Freundeskreise dann noch am Sonntag gemeinsamen Freizeitvergnügnen hingeben können (denn einer muss vielleicht gerade bei Kaufhof oder im Friseursalon am Point of Sale stehen), kamen uns heute mittag beim Sonntagsfrühstück noch folgende Gedanken:

Bislang waren Einrichtungen, die sich um die Freizeit der Bürger kümmern, sonn- und feiertags geöffnet: Gastronomie, Museen, Zoos, Schwimmbäder, you name it. Da aber in den letzten beiden Jahrzehnten der Konsum als Freizeitbeschäftigung hinzugekommen ist, ist die Erweiterung der Öffnungszeiten eigentlich nur ein Zugeständnis an den bundesdeutschen Zeitgeist. Man nennt das Paradigmenwechsel. Der Konsum erhält (Sonntags und nachts gefördert) endlich den Status einer Erholungstätigkeit.

Auch wenn am 1.Dezember nicht alles freigegeben wird, schätze ich, dass in fünf bis zehn Jahren alle Sonn- und Feiertage vom Ladenschluss befreit sind. Das gefällt mir nicht. Wir konsumieren schon genug. Und wenn ich sehe, wie geil mein Neffe auf Plastikspielzeug ist, wird mir ob der bevorstehenden Rundum-Lösung ein bisschen mulmig.

Eure Meinung ist gefragt!